„Salt In The Wound“ – Schmerz, der Erinnerung ist

Heute erscheint „Accordion Route“. Das ist der letzte Beitrag der Reihe und der letzte Titel der Platte.

Die Platte, die mit einem Sturm begann, endet mit etwas ganz anderem: damit, den Schmerz anzunehmen, denn er ist die Erinnerung.

Salz, wo das Messer eindrang

Das Intro: „I let the salt fall where the knife went deep / Watched it burn clean through the skin I used to keep“ — ich ließ das Salz dort fallen, wo das Messer tief ging; sah zu, wie es sich durch die Haut brannte, die ich einmal hatte.

Salz in die Wunde streuen heißt gewöhnlich, jemandem Schmerz zuzufügen. Hier tut es jemand sich selbst an — bewusst.

„Salt“ fällt in diesem Titel elfmal, „wound“ zehnmal.

Worte wie Rost

Die erste Strophe hat nur zwei Zeilen — die kürzeste Strophe der Platte. Sie zählt Worte auf, die wehtaten: Jedes „es tut mir leid“ schmeckte nach Rost, jedes „bleib stark“ war Gift, das man zu jung schlucken musste.

Auf „Heavy Route“ taten in „No More Silence“ „I’m fine“ und „it’s okay“ genauso weh. Worte, die helfen sollten, erweisen sich als Wunde.

Die zweite Strophe sagt, dass es auch anders gegangen wäre: „I could have closed it, wrapped it up in white lies“ — ich hätte sie schließen, in weiße Lügen wickeln können.

Ich will nicht heilen

Der Refrain: „Salt in the wound… keeps me wide awake… / … / I don’t want healing… I want to remember the blade…“ — Salz in der Wunde hält mich hellwach; ich will keine Heilung, ich will mich an die Klinge erinnern.

Die Wahl ist bewusst: „But I chose the sting, I chose the constant burn / Because forgetting would be the real lesson I never learn“ — ich wählte das Brennen, denn Vergessen wäre die Lektion, die ich nie lernen würde.

Die Bridge zeigt, was aus diesem Schmerz wächst: „Every tear that hits the ground… / Grows a forest where the old me drowned…“ — jede Träne, die den Boden trifft, lässt einen Wald wachsen, wo das alte Ich ertrank.

Karten und Sterne

„Some pains are maps, some scars are stars / They show you exactly who the fuck you are“ — manche Schmerzen sind Karten, manche Narben Sterne; sie zeigen dir genau, wer du verdammt nochmal bist. Es ist der fünfte Titel der Platte mit der Kennzeichnung [E].

In „Legacy“, dem letzten Titel von „Heavy Route“, sollten die Narben zur Karte für andere werden. Hier ist der Schmerz eine Karte für einen selbst.

Der letzte Refrain endet mit den Worten „my only empire“ — denselben wie die Bridge von „Blood On The Crown“. Dort war das Reich das Blut auf der Krone. Hier ist es das Salz in der Wunde. Das Outro: „Salt in the wound… / still burning… / still mine…“.

Die ganze Platte hörst du ab heute auf Spotify, Apple Music und YouTube Music.

Das ist der letzte Beitrag der Reihe über „Accordion Route“. Zehn Titel: von einer Stille, die zum Sturm wird, bis zu einem Schmerz, den man nicht vergessen will.

Danke, dass du hier bist.

Adam Smentoch
Schöpfer des Projekts Dust Anthem

Hören Salt In The Wound Accordion Route