Im dritten Titel wird etwas enger. Die ersten beiden handelten von „ihnen“ — von Menschen, deren Erwartungen man erfüllen musste. Dieser spricht zu einer einzigen Person.
Und er sagt gleich das Schwerste: „Your love is a prison, its walls made of lies“ — deine Liebe ist ein Gefängnis, seine Mauern sind aus Lügen.
Von „sie“ zu „du“
In „Chasing perfect shadows“ und „Unheard in the Silence“ kommt kein einziges „you“ vor. Hier fallen „you“ und „your“ zwölfmal.
Diese Verschiebung ist wichtiger, als sie aussieht. Mit einer Menge kann man nicht reden, man kann sie höchstens enttäuschen. Mit einem Menschen kann man direkt sprechen — und das ist der erste Titel der Platte, in dem jemand einem anderen ins Gesicht sagt, was er ihm angetan hat.
Kein Name fällt. Es gibt nur „your words“, „your eyes“, „your lies“.
Gitterstäbe aus Versprechen
Der Käfig im Titel ist nicht aus Eisen. Die erste Strophe sagt, woraus er ist: „Each promise a thread, pulling tight on my mind“ — jedes Versprechen ein Faden, der sich um meinen Kopf zuzieht.
In der zweiten: „Each vow that you gave left my spirit more worn“ — jeder Schwur, den ich bekam, hat mich mehr zermürbt. Die Lüge ist hier kein einzelner großer Betrug. Es sind Hunderte kleiner Zusicherungen, von denen jede für sich gut klang.
Daher „tangled“, verheddert. Einen Faden durchschneidet man leicht. Verhedderte lassen sich nicht entwirren — man muss sie alle auf einmal zerreißen.
„Break! Break!“
Der Refrain beginnt mit zwei geschrienen Worten: „Break! Break! From this cage of your lies“ — brich aus, brich aus diesem Käfig deiner Lügen.
Es ist der erste Refrain dieser Art auf der Platte, und er beginnt eine Reihe. Im vierten Titel kommt „Defy! Defy!“, im fünften „Free! Free!“, im sechsten nur noch „Run!“. Vier Titel hintereinander beginnen den Refrain mit einem geschrienen Wort.
Die Reihenfolge lohnt das Hinhören: ausbrechen, sich widersetzen, frei werden, fliehen. Das sind nicht vier Fassungen derselben Sache. Das sind vier Schritte.
Den eigenen Namen vergessen
Die stärkste Zeile schließt die dritte Strophe: „In this tangle of lies, I’m forgetting my name“ — in diesem Gewirr aus Lügen vergesse ich meinen Namen.
Im ersten Titel verlor er sich in den eigenen Spiegelbildern. Hier verliert er den Namen. Ein Schritt weiter in dieselbe Richtung: erst weiß man nicht mehr, welches Gesicht das eigene ist, dann, wie man heißt.
Und doch endet das Outro mit einem Wort, das es auf der Platte noch nicht gab: „I’ll find my way home“ — ich werde den Weg nach Hause finden. „Home“ fällt hier zum ersten Mal. Im letzten Titel fällt es zwölfmal.
Den Titel hörst du auf Spotify, Apple Music und YouTube Music.
Im nächsten Beitrag geht es um „Defy the Iron Crown“ — um den kürzesten Refrain der Platte.
Danke, dass du hier bist.
Adam Smentoch
Schöpfer des Projekts Dust Anthem





