„After the Storm“ – eine Bitte, bevor der Kampf beginnt

Die neue Platte beginnt mit einer Zeile, die eine Bitte ist und keine Ansage: „Pain, don’t hold me tight“ — Schmerz, halt mich nicht so fest.

„After the Storm“ eröffnet „Shatter the Void“ und steht darauf völlig für sich. Das einzige leise Stück von neun, und das einzige, das gegen nichts kämpft. Es bittet.

Sechs Dinge, beim Namen gerufen

Jede Strophe beginnt damit, etwas anzusprechen, das keine Person ist. In der ersten: „Pain, don’t hold me tight“ und „Hope, linger near“ — Schmerz, halt mich nicht so fest; Hoffnung, bleib in der Nähe.

In der zweiten kommen „Doubt, clear my view“ und „Time, heal my scars with a tender hand“. In der dritten „Fear, don’t still my will“ und „Light, glow soft when shadows fall“. Sechs Anrufungen, sechs Dinge beim Namen genannt und gebeten, sich anders zu verhalten.

Das ist keine Verzierung. So spricht man mit etwas, über das man keine Macht hat. Niemand bittet höflich eine Sache, die er einfach abschalten könnte.

Das einzige leise Stück der Platte

Der Rest von „Shatter the Void“ läuft auf schweren Gitarren, die Refrains sind geschrien. Dieses eine ist akustisch — Flöte und Klavier führen.

Dadurch klingt der Anfang der Platte nach etwas völlig anderem als das, was gleich kommt. Wer das Album anmacht und eine Flöte hört, rechnet nicht damit, dass vier Titel später jemand „Shatter!“ schreit.

Genau darum geht es. Ein Schrei wirkt nur, wenn es eine Stille gibt, aus der er kommt.

Siebeneinhalb Minuten ohne Bridge

Der Titel läuft 7:34 und ist der längste der Platte. Die anderen acht haben exakt dasselbe Gerüst: drei Strophen mit Pre-Chorus und Refrain, dann Bridge, Schlussrefrain und Outro. Dieser eine hat überhaupt keine Bridge.

Auf dieser Platte ist die Bridge die Stelle, an der etwas aufbricht — in allen acht beginnt sie mit „No…, no…“ und kündigt eine Wende an. Hier gibt es nichts aufzubrechen, weil der Kampf noch nicht angefangen hat.

Dafür hat er den längsten Refrain der neun, vier Zeilen statt zwei: „Through the storm, give me peace, give me peace“ — durch den Sturm, gib mir Frieden. Er kommt dreimal und wird kein einziges Mal erhört.

Warum eine Platte mit einer Bitte anfangen

Weil eine Bitte auf eine Art ehrlich ist, wie es eine Ansage nie sein kann. „Ich schaffe das“ sagt man mit zusammengebissenen Zähnen. „Gib mir Frieden“ sagt man, wenn nichts mehr da ist, womit man etwas vormachen könnte.

Das Outro lautet: „After the storm, the sun draws near“ — nach dem Sturm ist die Sonne nah. Noch nicht da. Nah. Mehr ist an dieser Stelle nicht zu haben.

Der letzte Titel der Platte wird mit „with the peace in my soul, I’ve claimed my own skies“ enden — mit dem Frieden in der Seele habe ich mir meinen Himmel genommen. Worum der erste Titel bittet, das hat der neunte bereits. Dazwischen liegen sieben Titel, in denen das jemand allein erledigen muss.

Den Titel hörst du auf Spotify, Apple Music und YouTube Music.

Im nächsten Beitrag geht es um „Echoes of Emptiness“ — um Fragen, die ohne Antwort wiederkommen.

Danke, dass du hier bist.

Adam Smentoch
Schöpfer des Projekts Dust Anthem

Hören After the Storm Shatter the Void